Frauen und Kinder in Not e.V.
Hilfe bei Gewalt und Krisen
Landkreis
Ravensburg

Kinder als Zeugen und Opfer häuslicher Gewalt


Was Kinder erleben…

Viele Kinder leiden unter Gewalt in der Familie. Unter Gewalthandlungen, die gegen ihre Mütter und gegen sie selbst gerichtet sind. Bei Verletzungen oder Bedrohungen sind sie extremen Stresssituationen ausgesetzt. Als direkte Opfer oder Zeugen sind sie verletzt, belastet und verängstigt. Sie fühlen sich oft einsam, hilflos und “anders” als ihre gleichaltrigen Freunde. Sie schämen sich, für das, was zu Hause geschieht.  In der Regel befinden sie sich  in einer Situation, die in mehrfacher Hinsicht extreme Problematiken aufweist. Sie waren oft über Jahre hinweg verschiedensten Belastungssituationen ausgesetzt. Dieses Gefühl erschwert ihnen die Suche nach Hilfe, die sie brauchen.



Wie Kinder reagieren…

Als Folge sind sie  sehr beeinträchtigt in ihrer Selbst- und Sozialwahrnehmung. Hemmungen, Ängste und Misstrauen, Kontaktstörungen und distanzlose Verhaltensweisen fallen ebenso auf wie Spielunlust, Antriebsschwäche und aggressive Verhaltensweisen. Defizite in der kognitiven Entwicklung sind zu beobachten und die daraus resultierende Beeinträchtigung der Lern- und Konzentrationsfähigkeit hat nachhaltige Auswirkungen für den Schulerfolg.
Darüber hinaus bringen die Mädchen und Jungen  eine Vielzahl von psychosomatischen Erlebnisreaktionen mit: Kopf-, Bauch- und Magenschmerzen,    Ein- und Durchschlafstörungen, Bettnässen, um einige zu nennen.



Was Kinder fühlen…

Oft geben sie sich selbst die Schuld für die Gewalt. Manchmal werden sie auch zu Sündenböcken gemacht und übernehmen Verantwortung, damit die Gewalt gelindert wird. Oder sie glauben, dass sie verantwortlich sind, weil sie die Gewalt nicht stoppen können.

Kindern fällt es nicht leicht, ihr zu Hause zu verlassen und in einem Frauenhaus zu leben. Neben der Erleichterung, die sie spüren, haben sie Angst und fühlen sich fremd. Sie verlieren Freunde, Familie, vermissen Tiere, ihre Spielsachen. Möglicherweise müssen sie eine andere Schule besuchen, wo keiner versteht, was sie durchgemacht haben. Sie sind mit einem permanenten Strom von Fremdem konfrontiert.



Was Kinder brauchen…

Die teilnehmende Unterstützung im Frauen- und Kinderschutzhaus hilft den Kindern, den Umzug als Chance zu erfahren: Man hört ihnen zu, sie sind wichtig! Sie können sich entspannen, sind der Gewalt entkommen, fühlen sich sicherer, gewinnen wieder Vertrauen und spüren Hoffnung für die Zukunft. Sie profitieren vermutlich auch davon, dass sie mit anderen Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, sprechen und spielen können.


Gregor (14 J) zeichnet, was er bei uns vermisst und was er gewonnen hat….


In Gruppen- und Einzelangeboten wird den Kindern ermöglicht, ihre Gefühle in Bezug auf häusliche Gewalt wahrzunehmen und auszudrücken. Es werden Strategien eingeübt, um sich angemessen zu verhalten und zu schützen. Den Kindern werden Freiräume angeboten, für ihre eigene, altersangemessene Entwicklung, die letztlich alle dazu dienen, das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl zu stärken.



Häusliche Gewalt schadet immer der gesunden Entwicklung von Kindern. Die Betroffenen  bedürfen fachlich qualifizierter Hilfen, unter Umständen über einen längeren Zeitraum. Es kann kein Einheits- oder Musterangebot geben. Es muss für jede Mutter und ihr Kind ein passendes Hilfsangebot entwickelt werden.