Frauen und Kinder in Not e.V.
Hilfe bei Gewalt und Krisen
Landkreis
Ravensburg

Gewaltspirale

Körperliche Gewalt



  • festhalten
  • stoßen
  • treten
  • an den Haaren ziehen
  • ohrfeigen
  • würgen
  • schlagen
Seelische Gewalt



  • auslachen
  • beschimpfen
  • beleidigen
  • Angst machen
  • klein machen
  • für verückt erklären
  • ausgrenzen
  • mit Waffen bedrohen
  • mit Mord drohen



Sexuelle Gewalt



  • durch Redensarten belästigen
  • durch Blicke belästigen
  • grapschen
  • zu sexuellen Handlungen zwingen
  • vergewaltigen



Soziale Gewalt



  • isolieren
  • übertriebene Eifersucht
  • kontrollieren
  • einsperren



Die Gewaltspirale

Viele Betroffene hoffen lange Zeit, dass sich die Situation wieder zum Besseren wenden wird. Doch meistens trügt diese Hoffnung. Eine britische Studie: Durchschnittlich sieben Jahre lang ertragen Frauen ihre gewalttätigen Männer, ehe sie Hilfe in Anspruch nehmen.


Phase 1:

“Lass es uns doch zu Hause gemütlich machen”, sagt er jedes mal, wenn sie die Freundin treffen will. Immer häufiger sagt sie ihre Verabredungen ab. Er ist schnell eifersüchtig, vermutet überall Rivalen. Sie tut ihm den Gefallen und kommt nach der Arbeit immer direkt nach Hause. Er mag ihre Familie nicht leiden. Zuerst fährt sie alleine hin, dann immer seltener.


Phase 2:

  • Ob es um den Haushalt geht (“Du kannst eben einfach nicht kochen.”) oder um die Erziehung der Kinder (“Selbst bei denen kannst Du Dich nicht durchsetzen.”) – nichts kann sie ihm recht machen.
  • Er bemängelt ihr Äußeres (“Du gehst aus dem Leim.”) oder zielt auf die Intimsphäre (“Was langweiligeres im Bett ist mir noch nie begegnet.”)
  • Er will verletzen, trampelt systematisch auf ihren Gefühlen herum und versucht, sie klein zu machen. Sie wehrt sich nicht. Bald kann sie sich selbst nicht mehr leiden.


Phase 3:

Vielleicht hat es nicht einmal besonders weh getan. Trotzdem ist der erste Schlag ein Schock. Er bekommt einen Wutanfall, weil sie doch einmal später nach Hause kommt. Oder ihm “rutscht die Hand aus” – weil sie “Widerworte” gegeben hat.


Phase 4:

Spätestens am nächsten Morgen tut ihm der “Ausrutscher” leid.

  • Er wird sich schämen, mit Blumen um Verzeihung bitten: “Das passiert nie wieder. Ich war außer mir.”
  • Er versucht zu erklären, warum er eigentlich keine Schuld trägt.
  • Er zeigt sich von seiner besten Seite. Man versteht sich wieder besser, ist sogar eine Zeit lang glücklich.


Dennoch: Ein Tabu ist gebrochen!

Die Erfahrung zeigt: Die meisten Männer, die einmal zugeschlagen haben, werden das wieder tun.


Gefangene im Kreislauf der Gewalt

Der betroffenen Frau aber erscheint die Situation oft ausweglos, weil:

  • er droht, ihr die Kinder wegzunehmen.
  • sie in finanzieller Abhängigkeit von ihrem Mann lebt.
  • die Gewalt Alltag geworden ist.
  • sie auf Besserung hofft. Wie verfahren die Situation ist, will sie sich nicht eingestehen.
  • sie sich immer noch für ein harmonisches Familienleben verantwortlich fühlt. So gibt sie sich die Schuld, wenn gestritten wird.
  • sie glaubt, persönlich versagt zu haben. Sie schämt sich, selbst mit einer engen Freundin darüber zu sprechen.


Quelle:
Broschüre Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bonn 1997, S. 8 u. 10: Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter – Informationen von Frauen für Frauen